Blog

Energieprognose zeigt: Sonnenenergie im Überfluss vorhanden

Einer aktuellen Carbon Tracker-Studie zufolge könnten Solar- und Windkraft den weltweiten Energiehunger mehr als hundertmal decken. Bis zum Jahr 2050 sollen saubere Stromerzeuger jedenfalls die komplette globale Energielandschaft dominieren.

Vor über fünf Jahren unterzeichneten fast alle Staaten der Erde das Pariser Klimaabkommen – natürlich auch Österreich. Eine Vereinbarung, die am Ende vor allem unsere Umwelt schützen soll. Das Ziel: Die Erwärmung der Erde soll auf unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad, begrenzt werden. Außer Frage steht: Je weniger Treibhausgase wir in unsere Atmosphäre freisetzen, desto eher können wir dieses Ziel erreichen. Ohne Energiewende wird dieses Vorhaben aber wohl kaum möglich sein.

Genau deshalb wird die heimische Energieinfrastruktur derzeit unter großen Kraftanstrengungen umgekrempelt. Die Devise lautet: weg von Kohle, Gas, Erdöl und Atomkraft, hin zu sauberer Energie aus erneuerbaren Quellen. Diese sind nicht nur umweltfreundlich, sondern im Gegensatz zu fossilen Energieträgern auch unerschöpflich. Sprich: Sie stehen uns unbegrenzt zur Verfügung. Doch sind saubere Stromerzeuger tatsächlich Garant für eine lückenlose Stromversorgung? Oder fließt auch weiterhin grauer Strom durch unsere Leitungen? Das britische Institut Carbon Tracker gibt mit der aktuellen Analyse „The Sky’s the Limit“ jedenfalls spannende Einblicke in die Stromproduktion von morgen. Eines vorweg: Diese ist alles andere als grau!

Ökostrom im Überfluss

Ja, erneuerbare Energiequellen stehen der Menschheit tatsächlich – für menschliche Maßstäbe – unendlich zur Verfügung. Zu diesem Schluss kommt der neue Carbon Tracker-Report. Überraschend? Wohl kaum, schließlich ist die Sonne die größte vorhandene Energiequelle überhaupt. Kombiniert mit anderen regenerativen Energieträgern könnte sie in nur wenigen Jahren die gesamte Welt mit sauberer Energie versorgen. Und dennoch wird die Klimakrise mit der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas Jahr für Jahr sprichwörtlich weiter angeheizt. Umweltschutz geht selbstverständlich anders. „Wir nutzen nur 0,01 Prozent der täglichen Sonneneinstrahlung“, moniert Kingsmill Bond, Energiestratege von Carbon Tracker und Hauptautor der Studie.

Das Potenzial ist jedenfalls groß: Bereits Mitte der 2030er-Jahre könnten fossile Brennstoffe aus dem Elektrizitätssektor und bis 2050 sogar aus der gesamten Energieversorgung verdrängt werden. Freilich nur dann, wenn Ausbau und Weiterentwicklung der Ökostromanlagen auch weiterhin angekurbelt werden. Haupttreiber für den Erfolg seien laut Carbon Tracker-Prognose jedenfalls die stark sinkenden Kosten der erneuerbaren Technologien.

100 Prozent Strom aus Erneuerbaren sind möglich

Im Jahr 2019 hat der globale Energieverbrauch 65 Petawattstunden (PWh) betragen, umgerechnet  65.000 Terawattstunden. Gemessen an der aktuellen Technologie könnten gegenwärtig mehr als 5.800 PWh pro Jahr produziert werden – und zwar allein durch Solarkraft.

Zusätzliche Onshore- und Offshore-Windkraftanlagen, also Anlagen an Land oder in offener See, könnten für zusätzliche Energie von etwa 900 PWh im Jahr sorgen. Man muss jetzt wirklich kein Mathegenie sein, um zu wissen: Das ergibt eine Leistung von 6.700 PWh. Und ist damit 103-mal so viel Energie, wie 2019 weltweit verbraucht wurde. Kingsmill bringt es auf den Punkt: „Wir stehen am Beginn einer neuen Epoche, vergleichbar mit der industriellen Revolution.“ Doch welche Veränderungen bringt diese mit sich?

Erneuerbare sind wettbewerbsfähig

Zahlen sich grüne Stromerzeuger auf lange Sicht wirklich aus? „Energie wird im Preis sinken und für Millionen von Menschen verfügbar werden, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen“, klärt Kingsmill auf. Demzufolge wird sich das politische Handeln vieler Länder in den kommenden Jahren stark verändern. Laut dem Experten werden sich die Nationen in den nächsten Jahren voll und ganz von teuren Energieimporten befreien. Die Ära von Kohle, Öl und Gas scheint folglich schon bald endgültig vorbei zu sein.

Laut Carbon Tracker sind gegenwärtig bereits 60 Prozent des Sonnenstroms und 15 Prozent der Windenergie wirtschaftlich. Sprich: Sie kosten höchstens so viel wie Strom aus fossilen Quellen. Bis 2030 werde Photovoltaik überall auf der Welt und Wind zur Hälfte kostengünstiger sein. Regenerative Energieträger sind aber nicht nur günstig, sondern auch dringend notwendig: „Saubere erneuerbare Energien werden den katastrophalen Klimawandel bekämpfen und den Planeten von tödlicher Verschmutzung befreien“, bestätigt der Studienautor.

Carbon Tracker
Neben Sonnenenergie nimmt auch die saubere Windenergie eine wichtige Rolle im grünen Strommix der Zukunft ein.

Keine Angst vor Platzmangel

Der Erneuerbaren-Ausbau geht mit einem nicht aufzuhaltenden Flächenfraß einher – so zumindest die Befürchtung vieler. Für die Deckung des weltweiten Energiebedarfs müssen auf alle Fälle genügend Solaranlagen gebaut werden. Dieser Bau würde laut Analyse in Wahrheit nur 0,3 Prozent der Landfläche beanspruchen. Langfristig gesehen also eindeutig weniger Fläche, als die Bereitstellung von fossilen Brennstoffen benötigt. Bestes Beispiel: Das größte Ölfeld der Welt Ghawar in Saudi-Arabien nimmt eine Fläche von 8.400 Quadratkilometer ein. Dort werden 0,9 PWh Energie pro Jahr erzeugt. Der Bau von Solarmodulen auf der gleichen Fläche würde im globalen Durchschnitt hingegen 1,2 PWh pro Jahr erzeugen. Im überdurchschnittlich sonnigen Saudi-Arabien wären es sogar 1,6 PWh. Und auch in Österreich stellt Platzmangel kein Hindernis für den Erneuerbaren-Ausbau dar. Expert*innen zufolge gibt es noch reichlich unbrauchbare Flächen, die sich optimal als Standort für eine effektive Freiflächenanlage eignen würden.

Schwellenländer haben das größte Potenzial

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass vor allem Entwicklungsländer vom grünen Energie-Boom profitieren. Dort sind Solar- und Windpotenziale nämlich am höchsten. Viele dieser Länder bauen gerade erst ein eigenes Energiesystem auf – was den direkten Einstieg in Erneuerbare besonders lukrativ macht. Vor allem Afrika wird eine bedeutende Rolle zugeteilt: „Der afrikanische Kontinent verfügt über ein gewaltiges Potenzial von 39 Prozent des weltweiten Potenzials und könnte eine Supermacht der erneuerbaren Energien werden“, heißt es im Report.

Klima und Arbeitsplätze schützen

Derzeit leben ungefähr 80 Prozent der Menschen in Ländern, die noch immer auf den Import von fossilen Brennstoffen angewiesen sind. Der Umstieg auf erneuerbare Energien bietet die Chance, Kosten zu senken, indem die Energieabhängigkeit verringert wird. Gleichzeitig können lokale Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Ergebnisse der „The Sky’s the Limit“-Analyse geben grünes Licht für eine echt grüne Zukunft.

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: UNSPLASH / David Monje ; UNSPLASH / Thomas Richter
✅ Diese Story könnte Sie auch interessieren: „Wer im Glashaus sitzt, darf bald Sonnenstrom ernten“