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Strommix

Österreichs Energie in Zahlen gemessen

Erneuerbare Energien nehmen eine immer größere Rolle im heimischen Energiemix ein. Doch wie viel Grünstrom fließt tatsächlich durch unsere Stromleitungen? Und ist die Stromversorgung in anderen Ländern wirklich grüner?

Das Warten hat ein Ende: Das von der Stromwirtschaft mit Ungeduld erwartete Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) ist endlich fertig. Ziel des EAGs ist es, dass Österreichs Strombedarf bis zum Jahr 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden kann. Mithilfe konkreter Maßnahmen und optimierten Plänen für den Erneuerbaren-Ausbau soll dies nun auch klappen. Jetzt geht’s also an die Umsetzung dieser ambitionierten Klimaziele. Laut Expert*innen muss dabei rasch der Turbo gezündet werden. Weil: Klimakrise! 

Wie sehr die Umwelt tatsächlich leidet, verdeutlichen die Zahlen der World Meteorological Organization (WMO): Demnach war das letzte Jahrzehnt das Wärmste in der Menschheitsgeschichte überhaupt. Im Vergleich zum 30-Jahresschnitt (1961 bis 1990) sind die Jahresmittelwerte der Lufttemperatur für 2020 in Österreich bereits um 2,1 Grad Celsius angestiegen. 

Die gute Nachricht: Mithilfe einer umweltschonenden Stromerzeugung kann laut Expert*innen der Temperaturanstieg in den nächsten Jahren möglichst niedrig gehalten werden. Und das würde sich freilich positiv auf unser Klima auswirken. Laut Übertragungsnetzbetreiber APG hat es bereits 2020 mehrere Wochen gegeben, in denen der heimische Stromverbrauch zu 100 Prozent aus grünem Strom gedeckt werden konnte. Die Internationale Energieagentur (IEA) prophezeit für die nächsten Jahre eine bedeutende Zunahme erneuerbarer Energiequellen in ganz Europa. Doch wie sieht die aktuelle Stromversorgung in Österreich aus? Welcher Strom kommt tatsächlich aus unseren Steckdosen?

Österreichischer Strommix überzeugt

In Österreich wird Strom aus mehreren verschiedenen Quellen gewonnen – daher auch der Begriff „Strommix“. Dieser Mix bezeichnet die Kombination verschiedener Energiequellen. Unterschieden wird dabei zwischen Kernenergie, fossilen Energiequellen wie Kohle, Erdöl oder Erdgas und nicht zu vergessen erneuerbaren Energiequellen wie Sonne, Wind, Wasser und Biomasse. Die nun fertige Energiebilanz von Statistik Austria für das Jahr 2019 zeigt das. Österreich gilt bei der Nutzung erneuerbarer Energien im internationalen Vergleich als Vorreiter. Demnach ist der Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch gegenüber 2018 um 1,3 Prozent auf 75,1 Prozent gestiegen. Fakt: In keinem anderen europäischen Land ist dieser Anteil so hoch wie hierzulande.

Der hohe Beitrag erneuerbarer Energien im heimischen Strommix ist dabei hauptsächlich auf die Wasserkraft zurückzuführen. Österreich profitiert von der günstigen topografischen Lage mit vielen Flüssen und üppigen Wassermassen, die von den Bergen fließen. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass mit über 5.000 Wasserkraftwerken und einem Anteil von 60,5 Prozent am Strommarkt Wasserkraft die bedeutendste Stromquelle in Österreich ist.

Das Herzstück der österreichischen Stromversorgung ist eindeutig die Wasserkraft.
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Doch auch die Stromproduktion mithilfe effektiver Solaranlagen wird in den nächsten Jahren stark ausgebaut.

Das heißt aber auch, dass „nur“ 15,4 Prozent der nachhaltigen Stromerzeugung aus anderen erneuerbaren Energiequellen kommt. „Hierbei wachsen wir einfach nach wie vor zu langsam“, mahnen Expert*innen. Enery-CEO Richard König meint: „Wir können viel schneller viel mehr leistbaren Strom aus Photovoltaik beziehen, wenn Widmungs- und Genehmigungsverfahren und Netzanschluss beschleunigt werden. Grüner und günstiger Solarstrom ist die beste und nachhaltigste Alternative zu Nuklear- und Kohlestrom, welche so aus den österreichischen Steckdosen entfernt werden können.“

Abhängigkeit von Kohle und Co.

Doch wie steht es um die zukunftsweisende Stromerzeugung mithilfe solarer Anlagen? Und welche Rolle spielen eigentlich konventionelle Energieträger? Die gute Nachricht ist jedenfalls, dass von 2018 auf 2019 erstmals seit sehr mageren Jahren von 2014 bis 2018 ein stärkerer Anstieg beim Photovoltaik-Zubau zu verzeichnen war. Das Gesamtvolumen ist um 247 Mega-Watt-peak (MWp) auf satte 1.702 MWp gewachsen. Ein sichtbarer Erfolg, laut Expert*innen aber noch nicht genug.

Denn derzeit setzt Österreich noch immer auf den Import von fossilen Brennstoffen. Rund 24 Prozent des aktuellen Energie-Erzeugungsmixes werden von konventionellen Energiequellen eingenommen. Vor allem in den kühlen und sonnenarmen Wintermonaten wird vermehrt auf diese zurückgegriffen, weil in dieser Jahreszeit natürlich weniger Sonnenstrom als in den Sommermonaten erzeugt wird. Es liegt also auf der Hand, wie wichtig der Ausbau solarer Anlagen inklusive effektiver Speichersysteme ist. Der Stromimport hat nämlich nicht nur Auswirkungen auf das Klima. Er hat vor allem auch volkswirtschaftliche Bedeutung. Allein im Jahr 2019 zahlte Österreich insgesamt mehr als elf Milliarden Euro für den Import von fossilen Energieträgern. Derzeitiger Hoffnungsschimmer: das EAG. Mit diesem Maßnahmenpaket soll nun eine komplett unabhängige und grüne Stromerzeugung in Österreich ermöglicht werden.

Wie sieht’s in Deutschland aus?

Im EU-weiten Strommix stehen die Erneuerbaren 2020 erstmals vor fossilen Energieträgern wie etwa Kohle und Gas. Das hat auch einen Grund: Viel Sonne und Wind sowie ein krisenbedingter Verbrauchseinbruch haben der Erneuerbaren-Erzeugung im Vorjahr einen Rekord beschert. Europaweit übertraf ihr Anteil am Strommix mit 40 Prozent erstmals den Anteil an fossil erzeugter Elektrizität – dieser fiel auf nur 34 Prozent. Um die Relationen ins richtige Licht zu rücken: 2019 war es noch fast genau andersherum.

Auch im benachbarten Deutschland verschiebt sich der Mix derzeit zugunsten sauberer Stromerzeugung. Zwar wird dort elektrische Energie noch immer vermehrt aus Kohle gewonnen, dennoch hat der Erneuerbaren-Anteil 2020 erstmals die 50 Prozentmarke geknackt. Der Anteil an Steinkohle am Strommix ist gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent gesunken. Der konventionelle Energieträger Gas legte hingegen auf 13,9 Prozent im Strommix zu. Der Trend geht aber in Richtung einer zukünftig komplett grünen Stromerzeugung.

USA und China setzen auf Erneuerbare

Auch in den USA laufen erneuerbare Energien der Kohle langsam, aber sicher den Rang ab. Laut U. S. Energy Information Administration (EIA) haben erneuerbare Energien im April 2020 erstmals mehr Strom als Kohlekraftwerke produziert – und zwar an jedem Tag. Die Stromerzeugung mittels Kohle ist zwischen 2000 und 2019 um ganze 51,5 Prozent gesunken. Der Anteil am Strommix sank von mehr als der Hälfte auf weniger als ein Viertel. In den nächsten zwei Jahren wird dieser von 24,4 Prozent weiter auf 21,2 Prozent fallen. Der Anteil von grünem Strom hingegen soll auf 21,4 Prozent steigen. Wichtigster Energieträger seit 2016 ist jedoch mit rund 38 Prozent Erdgas.

Anders in China: Dort stehen mehr als die Hälfte der Kohlekraftwerke weltweit. Mit einer Kapazität von über 1.000 Gigawatt (GW) decken sie rund 65 Prozent des dortigen Strombedarfs. Das wirkt sich allerdings auch auf die Umwelt aus: China ist zweifellos das Land mit dem höchsten CO2-Ausstoß. Bis 2060 soll aber auch dort die Klimaneutralität erreicht werden. Erster Schritt: Bis 2030 soll der gesamte Energiemix zu mindestens 25 Prozent aus nicht-fossilen Energiequellen erzeugt werden. Die gute Nachricht: Der Zubau an Photovoltaik-Leistung übertraf 2020 das Vorjahr um 60 Prozent. China ist somit weltweit führend bei der Installation solarer Anlagen. Die schlechte Nachricht: Neben erneuerbaren Energien setzt China auch auf Nuklearenergie. Sprich: 44 neue Atomreaktoren sollen in den nächsten zehn Jahren in Betrieb gehen. Wie stark Wind- und Solarenergie in den kommenden Jahren tatsächlich zulegen werden, bleibt abzuwarten. Doch eines steht jetzt schon fest: Die weltweite Stromerzeugung wird von Jahr zu Jahr ein wenig grüner!

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: UNSPLASH / Chelsea ; UNSPLASH / Dan Meyers ; UNSPLASH / Sungrow EMEA
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