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Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Preisfrage: Wie versteckt man Photovoltaik-Freiflächenanlagen?

Große Solaranlagen verschandeln die Umwelt, heißt es. Aber: Stimmt das überhaupt? Moderne Algorithmen und optische Kniffe sollen nun jedenfalls dabei helfen, die Anlagen gekonnt vor unseren Blicken zu verbergen.

Wie wichtig die Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen ist, verdeutlicht die Energiebilanz des Vorjahres, dem bisher grünsten Stromjahr aller Zeiten. Erstmals produzierten Erneuerbare Energien in Europa mehr Strom als Kohle und Gas zusammen. Klar: In Zukunft muss der Anteil sauberer Energieträger kontinuierlich steigen, denn nur so können die hochgesteckten Energieziele auch erreicht werden. Weil aber Windräder und Photovoltaik-Freiflächenanalgen wirklich große Bauwerke sind, befürchten viele Menschen, dass der Ausbau dieser beiden besonders effizienten Energiegewinnungsmöglichkeiten auch das Landschaftsbild massiv verändern würde. Deshalb sind solche Anlagen aktuell noch vielen Menschen ein Dorn im Auge. 

Aber: Ist diese Annahme überhaupt gerechtfertigt? Sind Freiflächenanlagen tatsächlich solch störende Fremdkörper im Landschaftsbild, als welche sie immer wieder angeprangert werden? Klare Antwort von Expert*innen: Nein! Man muss die Sache nur richtig und natürlich sensibel angehen. Man ist sich längst einig, dass selbst richtig groß dimensionierte Solaranlagen optimal in die Umgebung eingebettet werden können. Und das freilich, ohne Umwelt und Landschaft zu schaden. Eine gut durchdachte Planung ist hierbei jedenfalls Grundvoraussetzung, das weiß man ebenso. Dann kann scheinbar auch ein ganzer Solarpark quasi still und heimlich für sauberen Strom sorgen. Wie das funktioniert? Wir haben uns die Sache bei den besonderes heftig diskutierten Photovoltaik-Freiflächenanlangen genauer angesehen.

Unbrauchbares Land als perfekter Standort für Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Eines gleich vorweg: Der Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen sollte zweifellos so gesteuert werden, dass die Auswirkungen auf Natur und Landschaft möglichst gering sind. Demnach sollte eine solare Anlage bestmöglich in bereits genutzte Landschaftsflächen integriert werden. Für die Freiflächennutzung kommen folglich alle Gebiete in Frage, die eine geringe landwirtschaftliche Bodenqualität aufweisen. Oder eben Flächen, die anderweitig einfach nicht mehr produktiv verwendet werden können.

Photovoltaik-Freiflächenanlagen
Flächen mit geringer Bodenqualität sind der optimale Standort für Grünstromerzeuger.
Photovoltaik-Freiflächenanlagen
Mithilfe einfacher optischer Kniffe werden diese Solarparks optimal in die Umgebung eingebettet.

Darüber hinaus eignen sich auch ehemalige Gewerbeflächen, Mülldeponien oder Flächen neben Autobahnen und Schienennetzen für die Installation von Solaranlagen. Das Beste an solch abgelegenen Flächen: Hier errichtete Solaranlagen sind für uns Menschen so gut wie nicht wahrnehmbar. Dort kann also ganz ohne negative Auswirkung auf Natur, Landschaft und Mensch grüner Strom produziert werden. Gut zu wissen: Bei der Auswahl perfekter Anlagen-Standorte setzt der österreichische Grünstromerzeuger Enery auf eine wirklich innovative Strategie. Und zwar: Mithilfe eines Algorithmus werden Flächen ausfindig gemacht, die sich für die Installation effektiver Solaranlagen optimal eignen. Richard König, CEO von Enery: „Unsere Software kann aufgrund bereits existierender Daten Flächen ausfindig machen, die geringe naturschutzfachliche Bedeutung vorweisen und jedenfalls für Menschen kaum einsehbar sind. Zum Beispiel solche, die so versteckt in Tälern oder an nicht einsehbaren Hängen liegen, dass Freiflächenanlagen darauf das Landschaftsbild nicht stören.“

Natürlicher Sichtschutz für Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Kurz zusammengefasst: Freiflächenanlagen lassen sich schon einmal grundsätzlich ganz gut in die Landschaft einbinden. Doch was tun, wenn sie doch ins Blickfeld der Menschen rücken? Dann versteckt man die Grünstromerzeuger ganz einfach. Klingt in Anbetracht der Dimensionen erst einmal nach einem unmöglichen Unterfangen, ist aber mithilfe einfacher optischer Kniffe kein Problem, wie Friedrich Neubrand, Projektentwickler bei Enery, bestätigt. Dabei ist aber eben gute Planung das A und O. Anlagen müssen erst einmal von vornherein so ins Landschaftsbild eingebettet werden, dass sie wenig aufdringlich wirken. Bestenfalls ist der Solarpark durch umliegende Wälder schon von Natur aus gut versteckt.

Photovoltaik-Freiflächenanlagen
Größer dimensionierte Solaranlagen sorgen für mehr grünen Strom …
Photovoltaik-Freiflächenanlagen
… und erschaffen mithilfe eines natürlichen Sichtschutzes einen zusätzlichen Lebensraum für Tiere.

Wenn das nicht reicht, lassen sich die eher niedrigen Anlagen simpel durch das Pflanzen von Hecken verstecken. Diese bieten dann nicht nur einen natürlichen Sichtschutz, sondern einen zusätzlichen Lebensraum für Vögel sowie Fledermäuse und andere kleine Säugetiere. Die Biodiversität wird also nicht nur in den Solarparks durch deren Abgeschiedenheit erhöht, sondern zusätzlich durch weitläufige Hecken. Kurz zum Verständnis: PV-Freiflächenanlagen fördern nachweislich die biologische Vielfalt. Fast ausgestorbene Tier- und unterschiedliche Pflanzenarten finden unter den Solarmodulen einen neuen Rückzugsort. Freiflächenanlagen dienen also nicht nur der grünen Stromerzeugung, sondern auch dem Schutz von Flora und Fauna.

Landwirtschaft vs. Solarbranche

Ganz neu ist die Debatte um den optischen Effekt von Freiflächenanlagen aber nicht. Überraschend ist sie allemal. Stichwort: Hagel- und Vogelschutznetze. Jene werden seit Jahrzehnten über ganze Weinberge und Obstplantagen gespannt, um diese vor heftigen Hagelniederschlägen oder anderen Beschädigungen zu schützen. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass ganze Landstriche einem klein strukturierten Flächenmosaik gleichen. Denn: Aufgrund hoher Kosten werden oft nur einzelne Flächenabschnitte mit Netzen überzogen. Damit diese jedenfalls das Landschaftsbild nicht zu sehr stören, verwenden Landwirt*innen einheitlich dunkle Hagelnetze – vergleichbar mit den Modulen eines Solarparks.

Photovoltaik-Freiflächenanlagen
Hagelnetze schützen schon seit Jahrzehnten ganze Obstplantagen vor Wind und Wetter.
Photovoltaik-Freiflächenanlagen
Trotz des sichtlichen Eingriffs in das Landschaftsbild sind die Schutznetze jedoch keinerlei Kritik ausgesetzt.

Doch die wenigsten Menschen nehmen diese Schutznetze als störend wahr – Photovoltaik-Freiflächenanlagen hingegen schon, obwohl beide Eingriffe in das Landschaftsbild sehr wohl miteinander vergleichbar sind. Und effektive Anlagen können gleich wie Hagelnetze optimal in die Umgebung integriert werden. Zudem sind sie genauso notwendig, um möglichst viel Ertrag ernten zu können. Nur eben statt Äpfeln oder Birnen elektrischen Strom, der unsere Umwelt schont.

Fazit

Zwar ist die Energiewende ein gesamtgesellschaftliches Projekt mit breiter Zustimmung in der Bevölkerung. Für die Erreichung der angestrebten Klimaziele ist jedoch auch die Akzeptanz von PV-Freiflächenanlagen von großer Bedeutung. Denn nur mithilfe großer und somit besonders effektiver Photovoltaik-Freiflächenanlagen kann auch genügend grüner Strom erzeugt und die Energieversorgung nachhaltig sauber gemacht werden.

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: ENERY DEVELOPMENT AG
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