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Wenn Elektroautos zu Super-Akkus werden

Elektroautos sind eine echt saubere Sache. Erst recht, wenn die Batterie als temporärer Speicher von erneuerbarer Energie genützt wird. Mit der Speicherung von Grünstrom könnten mobile Akkus das Stromnetz der Zukunft stabilisieren und die Energiewende mächtig vorantreiben.

Das Jahr 2020 war nicht einfach. Schon gar nicht für die Automobilbranche. Denn anstatt mächtig in die Pedale zu treten, blieben die Menschen coronabedingt zuhause. Das macht sich auch bei der Statistik über PKW-Neuzulassungen bemerkbar. Seit Jänner sind diese um mehr als ein Fünftel gesunken. Doch die Krise hat sich in vielen Belangen auch als wahrer Beschleuniger erwiesen. Wie etwa für die Elektromobilität. Zehn Prozent aller Neuzulassungen in Österreich sind E-Autos – Tendenz steigend. Kein Wunder, schließlich fährt es sich grüner auch gleich mit einem besseren Gewissen.

Was aber vielleicht noch nicht alle E-Autobesitzer*innen wissen: Ihre grünen Fahrzeuge sorgen nicht nur für Fahrspaß, sondern auch für eine reibungslose Stromversorgung. Denn die Fahrzeugbatterie kann als Stromspeicher für die eigene Photovoltaikanlage eingesetzt werden und damit produzierten Sonnenstrom zwischenlagern. Natürlich nur dann, wenn das Automobil gerade nicht gefahren wird. Und das ist anscheinend ziemlich oft der Fall.  „Ein Auto wird zu 5% der Zeit genutzt und zu 95% der Zeit steht es herum.“, weiß Photovoltaik-Experte Hubert Fechner. Und weiter: „Diese Kapazität kann sinnvoller genutzt werden“. Schließlich sind die Energiereserven des Fahrzeugs am Ende des Tages meistens noch nicht aufgebraucht. Also: Energie und Zeit eines E-Autos können sinnvoller genützt werden.

Wohin mit dem Grünstrom?

Eines vorweg: Damit Elektroautos als Energiespeicher funktionieren können, müssen sie bidirektionales Laden beherrschen. Sprich: Der Akku kann Energie sowohl aufnehmen als auch wieder abgeben. Bidirektional ladefähige Fahrzeuge können also nicht nur elektrische Energie aus dem Netz oder der eigenen PV-Anlage aufnehmen. Sie können auch in umgekehrter Richtung von der Auto-Batterie über Ladestationen Strom in das Netz oder das Haus einspeisen. Hubert Fechner ist sich sicher: „Es ist technisch überhaupt keine Frage, das Auto sowohl Laden als auch Entladen zu können. Mitsubishi und einige andere Hersteller können das bidirektionale Laden bereits standardmäßig.“

Sind diese Lade-Voraussetzungen gegeben, kann es auch schon mit dem mobilen Speichern losgehen. Erstmals wird zwischen zwei unterschiedlichen Speicher-Technologien unterschieden: Einerseits die Vehicle-To-Home (V2H) und andererseits die Vehicle-To-Grid (V2G) Technologie. Bei der V2H-Variante fließt der gespeicherte Strom in das eigene Energiesystem. Der Eigenverbrauch wird erhöht und die Stromkosten gesenkt. Denn je weniger Strom aus dem öffentlichen Netz zugekauft wird, desto mehr Geld wird gespart. Bei der V2G-Technologie wird der gespeicherte Grünstrom gegen Entgelt zurück in das Stromnetz des Stromanbieters gespeist. Das Netz wird entlastet und die Effizienz im Energiesystem kann gesteigert werden.

Intelligentes Stromnetz für die Zukunft

Autos können dank Elektromobilität aktiver Teil des Stromnetzes werden. Denn werden Elektroautos als Energiespeicher genutzt, so können Stromschwankungen ganz einfach ausgeglichen werden. Dabei wird überschüssig produzierter Strom in Auto-Akkus gespeichert und bei Bedarf wieder ins Netz abgegeben. Demnach können Speicher auf vier Rädern Lastspitzen perfekt abfangen und für eine gleichmäßige Stromproduktion sorgen. Außerdem: Je mehr E-Autos auf den Straßen sind, desto höher ist die Gefahr einer Netz-Überlastung. Aufgrund der vielen Ladevorgänge könnte dieses an die Grenzen der Belastbarkeit stoßen. Bidirektionales Laden über Auto-Akkus als Stromspeicher könnten den Spitzenbedarf ideal abdecken.

Elektroautos als Energiespeicher sind Retter in Not

Dass Solaranlagen und Speicher ein echtes Power-Duo sind weiß Experte Hubert Fechner: „Photovoltaik und Speicher – die beiden zusammen sind wirklich das Dreamteam.“ Das beweist eben auch die Kombination von Photovoltaik und Speicher aus der Elektromobilität. Anlagenbesitzer*innen haben eine effektive Speichermöglichkeit bereits vor der eigenen Haustür stehen. Warum das Potential also nicht nutzen? Außerdem kann das mobile Speicherkraftwerk nicht nur einen ganzen Haushalt versorgen, sondern auch die Lebensdauer des grünen Fahrzeugs verlängern. Der Experte klärt auf: „Es gibt Studien, die sagen, dass das schlechteste für eine Batterie ist, wenn sie möglichst gut geladen ist. Es ist oft besser, wenn sie ist nur auf 60, 70% steht. Vielleicht ist es also sogar günstig, wenn ich den Strom aus der Batterie für den Haushalt nehme. Eben auch für die Lebensdauer der Batterie.“

Mobile Speicher sorgen also nicht nur für eine saubere, sondern eben auch für eine günstigere Zukunft. Und nicht zu vergessen: Eine sichere Zukunft. Denn wer vollständig unabhängig vom öffentlichen Stromnetz sauberen Strom produziert, ist auch in Krisensituationen bestens versorgt. Wie etwa im Fall eines kompletten Blackouts. Mit einem leistungsstarken Speicher sind Anlagenbesitzer*innen auch Stunden nach dem Stromausfall mit eigenem Strom versorgt. Da lässt sich nur mehr sagen: Der Tritt ins grüne Pedal lohnt sich doppelt!

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: UNSPLASH / Andrew Roberts
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