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Celewatt: Wenn Sonnenstrom auf Holz baut

Frankreichs Sonnenmodule werden schon bald auf (Holz-)Händen getragen. Zumindest jene im Südwesten des Landes. Dort setzt die französische Genossenschaft Céléwatt bei der Gestaltung eines neuen Solarparks auf Natur pur. Darum werden die Sonnenmodule auf einer völlig rauen Rohholzstruktur installiert.

Die Energiewelt blickt nach Carayac, eine 101-Seelen-Gemeinde im Département Lot im Südwesten Frankreichs. Denn dort entsteht unter Anleitung des französischen Gesellschaft Céléwatt gerade eine neue Photovoltaik-Anlage. Und schon auf den ersten Blick ist klar: Diese Anlage unterscheidet sich eindeutig von ihren Sonnenkolleginnen. Anstelle von verzinkten Stahlpfosten werden diese sonnigen Stromerzeuger in Zukunft auf Holstützen installiert: Gefertigt aus unverarbeitetem Eichenholz aus der unmittelbaren Umgebung. Diese Anlage fördert so nicht nur die Energiewende, sondern nutzt auch die natürlichen Ressourcen der Region.

Somit schlägt Céléwatt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn das Holzpotenzial in dieser Gegend ist enorm. Schließlich ist das Département Lot wirklich reich an Eichenwäldern. Das Holz bietet neben dem Heizen jedoch nur wenige Absatzmöglichkeiten. Und das, obwohl Eichenholz vor allem mit Robustheit und Haltbarkeit punkten kann. Perfekte Voraussetzung, um als Stütze für die sonnigen Module zu fungieren. Die Idee war schnell da – die Umsetzung erwies sich aber als schwierige Angelegenheit.

Die Wertschöpfung bleibt in der Region

„Unsere ursprüngliche Idee war es, lokale Beschäftigung und die Nutzung natürlicher Ressourcen zu fördern“, sagte Bertrand Delpeuch, Präsident von Céléwatt. Und das ist bei der Errichtung einer sonnigen Anlage gar nicht mal so einfach. Schließlich werden die monokristallinen Solarmodule aus dem weit entfernten China angeliefert. Alles andere als regional also.

Doch Céléwatt fand einen Weg, die Wertschöpfung bei Solaranlagen im eigenen Land zu erhöhen. Ganz nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt. Genauer gesagt: 30 Kilometer von der zukünftigen Anlage entfernt. Denn von dort bezieht Céléwatt das Material für die natürlichen Stützen. Davon profitieren vor allem regionale Unternehmen, da diese für den Transport und auch für den Aufbau der sonnigen Stützen beauftragt werden.

Celewatt lockt auf neues Terrain

Céléwatt legte mit der Idee der „hölzernen Solarenergie“ den Grundstein für dieses innovative Konzept. Die Ingenieure von Mécojit in Capdenac-Gare waren für die tatsächliche Realisierung zuständig. Und auch sie begaben sich mit diesem Projekt auf komplett neues Terrain. Laut Olivier Saintignan, dem Projektleiter bei Mécojit, ist es das erste Beispiel einer Solaranlage mit völlig unbearbeiteten Holzträgern.

Ganz klar, dass für dieses Projekt der Planung besonders viel Zeit geschenkt werden musste. Schließlich gibt es bei Holzkonstruktionen so einiges zu beachten. „Die Drehgelenke müssen sich zusammen bewegen können, um die Höhen anzupassen und eine Ebene zu schaffen“, so Saintignan. Dabei muss vor allem die Tatsache beachtet werden, dass Holz arbeitet. Und zwar immer. Daher sind die Module auf einer so genanntenn Omega-Pfette befestigt. Diese sorgt dafür, dass die natürliche Bewegung des Holzes eingedämpft wird.

600 Eichen werden benötigt

Für die 746 Solarmodule werden insgesamt 600 Eichen aus dem Wald in Cabrerets benötigt. Die ersten Bäume fielen bereits Anfang September, natürlich außerhalb der eigentlichen Vegetationsperiode. Nur so kann eine mögliche Diskontinuität, also ein Brechen der Holzfasern ausgeschlossen und weitergehend auch ein möglicher Zusammenbruch der Konstruktion verhindert werden.

Damit die Anlagen aber auch in Zukunft für viel Sonnenstrom sorgen können, müssen sie regelmäßig gewartet werden. Dazu erfolgt alle drei Jahre eine Überprüfung der Konstruktstabilität. Dabei wird die Widerstandsfähigkeit des Holzes ganz genau unter die Lupe genommen. Außerdem kommt es während der zehnjährigen Wartung zu einer zusätzlichen Generalüberholung. Dann steht einer langfristigen Solarstromerzeugung nichts mehr im Weg.

Photovoltaik und Holz als Zukunftsmodell?

Die Zusammenführung von Sonnenmodulen und unverarbeitetem Holz ist nicht nur für die Umwelt gut. Auch Mécojit profitiert mächtig von der Innovation. Denn unter der Marke „Mécowood“ hat sich für das Ingenieurbüro ein ganzer neuer Absatzmarkt aufgetan. Und die Ingenieure wollen das Holz-Sonnen-Spiel noch weiterdenken, denn laut Saintignan sind die Möglichkeiten zahlreich. Weitergehend kann sich dieses PV-Konzept auch in anderen waldreichen Ländern etablieren. Natürlich auch in Österreich. Schließlich sind wir ja das Land der Wälder. Ganz generell: Öko-Strom und regionale Wertschöpfung liegen so nah beieinander. Warum also nicht einfach beides ausschöpfen?

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: Celewatt
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