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Ökostromlüge

Die Ökostromlüge: Was ist wirklich dran?

Ökostromlüge

Wer sich für Ökostrom entscheidet, setzt sich ganz bewusst für die Energiewende und gegen die Klimaverschmutzung ein. Doch was wäre, wenn der saubere Strom reine Illusion und in Realität grau anstatt grün ist? Wir geben Einblick in ein viel diskutiertes Thema und blicken hinter das Schlagwort „Ökostromlüge“.

Strom aus erneuerbaren Ressourcen hat einen weitreichend positiven Einfluss auf die Umwelt. Er ist sauber, klimafreundlich und verursacht keine CO2-Emmisionen. Menschen mit dem Wunsch, Strom aus diesen unerschöpflichen Quellen zu erwerben, haben dabei vor allem eines im Sinn: der Umwelt etwas Gutes zu tun. Doch immer häufiger liest und hört man, dass dieser angeblich saubere Strom gar nicht so sauber sei. Der Begriff „Ökostromlüge“ fällt.

Aber was will man damit sagen? Das Framing lautet in etwa so: Konventioneller Strom würde bloß als grüner Ökostrom angepriesen und teuer weiterverkauft. Stromanbieter würden ihren Kund*innen sozusagen ein wahres Strommärchen in Form von „grauer“ Energie auftischen.

Was also soll man da nun glauben?

Das Lügengerüst der Ökostromlüge

Um die ineinander verschlungenen Zusammenhänge entwirren zu können, müssen wir erst einmal einen Blick in die Vergangenheit werfen. Schon vor 15 Jahren wurde über eine Form der Ökostromlüge diskutiert. Ausschlaggebend dafür ist die Tatsache, dass Ökostrom kein geschützter Begriff war und ist. Außerdem ist das Stromnetz auch nicht in der Lage, zwischen grünem und konventionellem Strom zu unterscheiden. Eben diese Unschärfe nützen Stromanbieter, seitdem der Begriff Ökostrom kursiert, teilweise tatsächlich bewusst aus. Plakativ ausgedrückt funktioniert das so: Stromanbieter kaufen Atom- und Kohlestrom ein. Dieser wird dann mit zusätzlich erworbenen Zertifikaten von Ökostrombetreibern kurzerhand aufgehübscht. Zack: Aus normalem Strom wird angeblich – und vor allem zertifizierter – „völlig sauberer Naturstrom“.

Wo kommt’s her?

Dabei wäre es auf dem Papier doch eigentlich ganz einfach: Ökostrom darf nur als solcher vermarktet werden, wenn es dafür auch einen Herkunftsnachweis (HKN) gibt. Da Strom allerdings nichts Greifbares ist, können diese Nachweise rein technisch nicht an irgendwelche Strompackerln angeheftet werden. Im Grunde beschreibt der HKN daher nur eine bestimmte Menge an Strom, welcher auch wirklich aus erneuerbarer Energie produziert wurde. Genau aus diesem Grund können die Nachweise auch unabhängig vom eigentlichen Strom gehandelt werden – egal, ob sauber oder schmutzig. Es ist quasi ein grüner Etikettenschwindel, der die Verbraucher und Verbraucherinnen ganz schön an der Nase herumführt.

Ein kleiner Vergleich, um die Sache greifbarer zu machen: Wenn ich Gemüsehändler bin und 100 Kilo Biotomaten kaufe und 100 Kilo normale Tomaten, darf ich diese nicht einfach zusammenmischen und 200 Kilo Biotomaten verkaufen. Doch genau das passiert oft beim Ökostrom.

Drahtzieher der Ökostromlüge

Möglich wurde dieses sogenannte „Greenwashing“, also das Handeln mit angeblichem Grünstrom, durch die EU-Richtlinie RECS (Renewable Energy Certificate System). Diese erlaubt den Handel mit konventionellem Strom und dem darauf folgenden Etikettentausch von Atom- und Kohlestrom zu Ökostrom. Ökostromerzeuger können sich beim RECS registrieren lassen und für jedes erzeugte Megawatt Strom ein Zertifikat ausstellen lassen, welches anderen Stromanbietern dann zur grünen Mogelpackung verhilft.

Ist Ökostrom also völlig sinnlos?

Nein! Ökostromkund*innen werden derzeit zwar immer wieder Opfer des beschriebenen Etikettenschwindels, dennoch steigt die natürliche Nachfrage nach grüner Energie immer weiter an. Sobald diese zu hoch für die aktuellen Kapazitäten ist, muss in den Ausbau zusätzlicher Ökostromkraftwerke, wie Photovoltaik-Anlagen, investiert werden. Sprich: Wenn jede*r Einzelne Ökostrom verlangt, wird langfristig die Stromerzeugung bald wirklich grün sein.

Denn – und das ist das wirklich Gute an der Sache – am Ende zählt auch beim Strom das Thema Regionalität. Wenn wir in Österreich nur noch nachhaltig Strom erzeugen und auch nur noch österreichischen Strom nutzen, leben wir endlich in einer wirklich grünen Stromoase. Und in dieser gehören dann Begriffe wie „Ökostromlüge“ und „Zertifikatsschwindel“ endlich der Vergangenheit an.

Fazit:

Die Ökostromlüge ist zwar Realität – tatsächlich grüner Strom aber auch! Hilfreicher Tipp für alle Verbraucher*innen: Bei der Wahl des Stromanbieters immer reichlich Informationen einholen und sich nicht nur mit einem anscheinend grünem Strompaket zufriedengeben. Denn: Nicht alles, was grün scheint, ist auch öko. Aber je mehr jede*r auf wirklich grünen Strom pocht, umso grüner wird dieser auch werden.

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: Unsplash / Johannes Plenio
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