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Pilotprojekt: Autobahn als neues Solar-Kraftwerk?

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Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen haben einen immensen Flächenbedarf, Photovoltaik-Anlagen ebenfalls. Warum also nicht beides miteinander kombinieren und die grüne Stromerzeugung so richtig in Fahrt bringen? Ein Pilotprojekt der AIT Austrian Institute of Technology untersucht nun neue Möglichkeiten.

Mit dem Auto einmal quer durch ganz Österreich düsen? Heutzutage absolut kein Problem mehr – schließlich ist unser Land nicht nur für die unglaublichen Berglandschaften, sondern auch für das gut ausgebaute Verkehrsnetz bekannt.

Tausende Kilometer Autobahn durchziehen unsere schöne Landschaft. Ganz klar, dass dieser mobile Luxus auch einen enormen Verlust an Fläche mit sich bringt – welche man natürlich ökologisch viel sinnvoller nutzen könnte. Stichwort: Photovoltaik-Freiflächenanlagen zur Gewinnung von sauberer Sonnenenergie.

Und nun scheint es, als würden die grauen Betonmonster schon bald zum solaren Kraftwerk mutieren. Denn ein neues Pilotprojekt in Österreich soll analysieren, ob ein Teil der beanspruchten Straßenfläche als solarer Stromerzeuger fungieren könnte. Dabei sollen Photovoltaikpaneele auf Stützen über der Autobahn errichtet werden – ein Sonnendach für das Glück auf vier Rädern. Doch nicht nur die Autobahn selbst hat das Zeug zum Stromerzeuger. Auch die Fläche unmittelbar daneben wäre als Standort für die Sonnenanlagen bestens geeignet. Wir werfen einen Blick auf Österreichs Straßen.

Pilotprojekt: Forscher*innen planen die Autobahn der Zukunft

Österreichs Straßen sollen also in Zukunft eine ziemlich heiße Überdachung bekommen – angefangen mit einer kurzen Teststrecke. „Wir stellen uns eine Leichtbaukonstruktion vor, etwa auf der Höhe von Schilderbrücken über der Autobahn“, erklärt Manfred Haider vom AIT. Die Testanlage soll dabei einige zehn Meter lang sein und unter 100 Meter bleiben.

Und so soll es funktionieren: Auf dem Dach befinden sich Solarzellen, die mithilfe intensiver Sonneneinstrahlung ihre volle Leistung erreichen können. Unter der Anlage befindet sich die ganz normale Fahrbahn – klarerweise liegt diese dann im Schatten. Doch bevor es losgehen kann, steht erst einmal der Entwurf eines Prototyps an. Dieser Demonstrator wird dann für ein ganzes Jahr in Betrieb genommen – natürlich mit Messtechniken ausgerüstet und stets unter der Aufsicht der Verantwortlichen.

Die beteiligten Forscher*innen erhoffen sich durch solch ein Photovoltaik-Dach nicht nur eine Erhöhung der sauberen Energiewerte, sondern auch eine Verbesserung der Straßenqualität. Denn schlussendlich sind die grauen Flächen Österreichs Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Klingt alles super, befindet sich aber, wie gesagt, noch in der Planungsphase.

Das unglaubliche Potenzial von nebenan

Obwohl die neuesten Forschungen Hoffnung auf mehr Energiepotenzial geben, dürfen andere erfolgsversprechende Optionen nicht außer Acht gelassen werden – wie etwa die Flächen neben den Autobahnen. Von diesen gibt es nämlich gleich doppelt so viel wie Straßen selbst: links und rechts davon nämlich. Und oft stehen die dazugehörigen Landbesitzer*innen vor einem Dilemma: Sie hätten genügend Fläche, jedoch ist ein Teil davon als landwirtschaftliche Nutzfläche kaum zu gebrauchen. Schließlich ist Tierhaltung neben der Autobahn wenig ratsam, und Radieschen, die neben Abgasen wachsen, sind selten gefragt.

Photovoltaik-Experte Dipl. Ing. Hubert Fechner sieht in diesen Flächen eine große Chance, um die Photovoltaik-Branche mächtig auszubauen: „Wir brauchen sehr viele Freiflächen. Ich spreche immer über die Potenziale, die wir derzeit haben. Wir werden natürlich schauen, welche davon die sinnvollsten nutzbaren Flächen sind.“ Und genau hier kommt die meist ungenützte und vor allem geringwertige Gegend neben Österreichs Verkehrswegen ins Spiel. Das Beste daran: Sowohl Landwirt*innen als auch die Bevölkerung profitieren von den Freiflächenanlagen. Aufwertung der Fläche einerseits, Antrieb der Energiewende durch saubere Stromerzeugung andererseits. Und eines ist ganz sonnenklar: Es gibt bereits einige PV-Anlagen auf diesen Flächen. Es handelt sich also um keine Träumerei, sondern um die Realität.

Wenn die Straße zum Stromerzeuger wird

Wenn wir schon beim Thema Straße und Sonnenstrom sind: Ein neuer und ziemlich abgefahrener Solar-Trend beschäftigt sich nicht mit dem Drumherum, sondern mit dem Energiepotenzial mittendrin. Immer mehr Länder testen Straßen, die mit Solarmodulen ausgelegt sind. Das Auto fährt dann also nicht mehr auf Beton, sondern auf Solarzellen. Noch futuristischer ist der Gedanke, dass E-Autos sich beim Drüberfahren induktiv aufladen könnten. Klingt ziemlich cool, ist aber noch reine Zukunftsmusik.

Was ist also besser?

Eines vorweg: Grundlegend ist jeder neue Sonnenstandort ein guter Schritt in die richtige Energierichtung. Denn nur ein massiver Ausbau der Photovoltaik führt zu einer massiven Verbesserung der herrschenden Klimakrise. Jedoch steckt die solare Autobahnüberdachung noch in der frühen Entwicklungsphase. Das heißt, es braucht noch einiges an Zeit, um tatsächliche Erfolge verzeichnen zu können. Außerdem muss solch eine Anlage gut vorbereitet werden. Schließlich sind Aufwand und dauerhafte Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer*innen eine ziemlich heikle Angelegenheit. Schlussendlich wird es auch eine wirtschaftliche Frage werden, ob sich PV Überdachungen auf Autobahnen durchsetzen können.

Erster wichtiger Schritt für ein sauberes Österreich: Die bereits vorhandenen landwirtschaftlichen Gebiete mit wenig Bonität als solaren Standort wählen. Denn es ist nicht zu leugnen, dass diese Freiflächenanlagen bereits eine sehr gute Energiebilanz vorweisen können – befinden diese sich ja nicht mehr in der Entwicklungsphase, sondern in der realen Sonnenwelt.

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: LABOR3 Architektur GmbH
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