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Strom aus der Sahara

Sahara-Strom: Wüste als wahres Energie-Paradies?

Sahara-Strom

Kann einer der lebensfeindlichsten Orte der Welt gar der große Retter in der Not sein? Gigantische Solaranlagen in der Wüste könnten jedenfalls die ganze Welt mit nachhaltigem Sahara-Strom versorgen und gleichzeitig die Wüste wieder so richtig aufblühen lassen.

Es klingt fast nach einem Wüstenmärchen: Eine leblose Gegend mit jeder Menge Sand und Hitze soll solarer Energie-Hotspot werden. Aber doch entspricht diese Darstellung vielleicht schon bald der Realität. Denn diesen endlosen Weiten der Wüstenlandschaft steht womöglich ein unfassbares Upgrade zum Energielieferanten bevor. Es liegt ja quasi auf der Hand, denn nirgends auf der Welt scheint die Sonne so stark und verlässlich wie in der Sahara. Der perfekte Ort also, um Solaranlagen im großen Stil anzudenken. Um Sahara-Strom für alle bereitzustellen.

Schlussfolgernd ist die heiße Gegend ein wahrer Energie-Hoffnungsträger, der die Aufmerksamkeit vieler Energie-Expert*innen auf sich zieht. Einer davon: der Leiter der Forschungsgruppe für innovative und nachhaltige Umwelttechnologien (iSBET) an der Trent University, Amin Al-Habaibeh. Der Visionär in Sachen Nachhaltigkeit hat das enorme Sonnen-Potenzial der Sahara erkannt und fasziniert mit seinen Berechnungen derzeit alle Sonnenstromliebhaber*innen. Laut ihm soll der Solarstrom aus der Wüste der entscheidende Durchbruch im Bereich der nachhaltigen Energiegewinnung sein. Und eines vorweg: Dieser Strom hat’s so richtig drauf. Mit einer gut strukturierten Solartechnologie könnte die Sahara nämlich das gut 7000-fache des Energiebedarfs in Europa decken. Und das auch noch fast ohne CO2-Emissionen. Eine ganz schön heiße Sache also!

Sahara-Strom wird schon länger angedacht

Ganz unbekannt ist die Idee mit dem Sahara-Strom aber nicht. In den vergangenen zehn Jahren haben zahlreiche Forscherteams mögliche zukünftige Wüstensolaranlagen ganz genau unter die Lupe genommen und die Ideen auch in ernsthafte Pläne umgesetzt. Vor allem die 2009 gegründete Desertec Industrie-Initiative – kurz Dii – war damals in aller Munde. Sie arbeiteten ganze fünf Jahre lang an der tatsächlichen Umsetzung eines Solarprojekts. Ziel war es, Wüstenstrom zu erzeugen und diesen mittels Leitungen nach Europa zu transportieren.

Die Idee war spitze, die Umsetzung jedoch nicht. Politische, kommerzielle und soziale Probleme verhinderten die Erfüllung des grünen Wüstentraums. Doch noch lange kein Grund zur Sorge: Das jetzt Desert-Energy genannte Unternehmen lebt diesen Traum weiter und erlebt gerade einen kräftigen Aufschwung.

Zu den neuesten Entwicklungen zählen das TuNur-Projekt in Tunesien. Bei diesem werden schon bald mehr als zwei Millionen Haushalte mit Wüstenstrom versorgt werden. Oder auch der Noor-Komplex in Marokko, der bereits realisiert ist. Dieser soll schon bald Marokko und seine Nachbarn mit dem wertvollen Sahara-Strom versorgen und diesen später auch nach Europa exportieren.

Kann Sahara-Strom die Welt versorge?

Derartige Projekte werden durch plakative Gedankenspiele von Fachmann Al-Habaibeh freilich befeuert. Er sagt etwa: „ Wäre die Sahara ein Land, wäre es mit einer unglaublichen Fläche von über neun Millionen Quadratkilometern das fünftgrößte der Welt. Größer als Brasilien und etwas kleiner als China und die USA!“ Unsere Sonne versorgt, laut der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, jeden Quadratkilometer der Wüste mit einer jährlichen Energie von 2000 bis 3000 Kilowattstunden. Die Gesamtenergie würde also unglaubliche 22 Milliarden Gigawattstunden (GWh) pro Jahr betragen. Den Rechnungen des Forschers Al-Habaibeh zufolge würde ein Wüsten-Solarpark also 2000-mal mehr Energie produzieren als das größte Kraftwerk der Welt. Dieses schaffe kaum 100.000 GWh pro Jahr.

Solarenergie könnte neuen Lebensraum schaffen

Neben der hohen Energieleistung ist die Sahara auch aus ökologischer Sicht der perfekte Standort für die Gewinnung von Strom. Wie wir wissen, ist sie derzeit für die Pflanzen- und Tierwelt eine wahre Todeszone. Solaranlagen würden der ökologischen Welt also den Lebensraum nicht streitig machen. Im Gegenteil: Die Installation von den Modulen würde die kahle Wüste regelrecht zum Blühen bringen!

Und das geht so: Die Anlagen dunkeln die hellen Oberflächen ab und erzielen damit eine Erwärmung der darunterliegenden Luftschichten. So können die Flächen, vor allem die Randzonen, mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Deshalb kann sich eine Vegetationsdecke entwickeln. Eine grüne Wüste also – was für eine schöne Vorstellung!

Kurz zusammengefasst: Neben den perfekten Bedingungen für die Gewinnung von Sonnenenergie ist auch die geografische Lage der Sahara für alle von großen Vorteil, selbst für Europa. Denn es sind nur 15 Kilometer, die Nordafrika von Europa trennen. Also die perfekte Voraussetzung für den „Transport“ des Wüstenstroms. Aber auch weitere Entfernungen über die Hauptbreite des Mittelmeers stellen keine sonderlichen Probleme dar. Dafür wurden längst leistungsstarke Unterwasserkabel entwickelt.

Anspruchsvolle Sahara

Kommt es tatsächlich zur großflächigen Stromerzeugung, so ergeben sich zwei technologische Möglichkeiten: Die Concentrated Solar Power- (CSP) und die regulären Photovoltaik-Solarzellen (PV) können zum Einsatz kommen. Beide Methoden der Energiegewinnung aus Sonnenenergie arbeiten unterschiedlich. CPS verwendet Linsen oder Spiegel, um die Energie an einer Stelle zu bündeln. Die dabei entstehende Wärme erzeugt danach über Dampfturbinen Strom. Ein CPS-System überzeugt vor allem mit der Tatsache, dass es besonders effizient arbeitet, wenn es mit direkter Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen konfrontiert wird. Für das heiße Klima in der Wüste und somit den erhoffen Sahara-Strom also perfekt.

Ganz anders ist es bei den PV-Solarzellen, welche die sonnige Energie direkt mittels Halbleiter in Strom umwandeln. Diese glänzen auch bei bewölktem Wetter mit guter Energieleistung – jedoch ist das in der Wüste so oft der Fall. Beste Lösung: Forscher*innen setzen sich für die Kombination beider Technologien ein, ein Hybridsystem sozusagen.

Wirklich hitzige Probleme

Doch neben den zahlreichen Vorteilen hat auch der Wüstenstrom mit einigen Komplikationen zu kämpfen. Häufig vorkommende Sandstürme könnten bei den Paneelen und Spiegeln für Störungen sorgen und eine lückenlose Sonneneinstrahlung verhindern. Schlussfolgernd benötigen die Solartechnologien eine ganze Menge an Wasser, um von Sand und Schmutz befreit werden zu können. Auch politische Faktoren könnten der Umsetzung im Weg stehen, schließlich wird die Sahara von mehreren Ländern regiert. Über die Kosten kann nur gemunkelt werden, billig wird das Vorhaben aber mit Sicherheit nicht.

Grundsätzlich ist die Idee des Sahara-Stroms also heißer denn je – der Weg dorthin allerdings noch eher steinig als sandig. Aber es zeigt sich wieder einmal deutlich, welch unglaubliche Kraft die Sonne und ihre Mitarbeiterinnen auf der Erde – die Freiflächenanlagen – haben.

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: iSTOCK
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