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Photovoltaik kontra Landwirtschaft

Photovoltaik kontra Landwirtschaft: Strom kann man (nicht) essen!

Photovoltaik kontra Landwirtschaft 

Photovoltaik-Freiflächenanlagen erzeugen zwar grünen Strom, benötigen jedoch oft landwirtschaftlich genutzte Flächen. Das stößt manchen sauer auf. Dabei existiert der Kampf Photovoltaik kontra Landwirtschaft in Wahrheit gar nicht.

Die Logik der Kritiker*innen ist in einem Satz erklärt: Die Erzeugung von grünem Strom macht der Nahrungsmittelproduktion die Ackerflächen streitig. Aber was ist wirklich dran an dem Kampf um die grünen Wiesen und dem angeblich pulsierenden Spannungsfeld zwischen solarer Stromerzeugung und Lebensmittelproduktion?

Tatsache ist, Photovoltaik ist als erneuerbarer Energielieferant der Hoffnungsträger schlechthin, um eine klimafreundliche Zukunft realistisch zu machen. Damit Österreichs angestrebte Klimaziele aber wirklich erreicht werden können – bis 2030 sollten 100 % des Stromverbrauchs aus erneuerbarer Energie stammen – muss der Fokus auf größere PV-Anlagen gelegt werden. Freiflächenanlagen, also sehr viele zusammengeschaltete Sonnenmodule auf Wiesen, werden als Lösung für eine grünere Zukunft forciert.

Diese beanspruchen jedoch Fläche. Schlussfolgerung: Die riesigen Anlagen würden der Lebensmittelproduktion die Felder wegschnappen. Aber was wäre, wenn sowohl Landwirtschaft als auch Stromerzeugung unter ein (Solar-)Dach gebracht werden könnten? Neueste Studien rund um eine sinnvolle Verknüpfung von Agrarwesen und Energieerzeugung lösen die zurzeit herrschende Spannung zwischen den beiden Bereichen immer weiter auf. Entsteht zwischen ihnen vielleicht sogar eine wunderbare Symbiose?

Photovoltaik kontra Landwirtschaft? Von wegen Widerspruch!

Die Klimakrise ist da! Und auch vor Landwirtinnen und Landwirten macht diese freilich nicht halt. Kasimir Nemestothy, Referatsleiter Energie in der Landwirtschaftskammer Österreich, betont die schwerwiegenden Probleme, die sich für die Landwirt*innen aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen ergeben. „Immer extremere Witterungsverhältnisse verursachen jährlich steigende Milliardenschäden. Über Generationen aufgebaute Landnutzungsformen und Infrastrukturen werden mit einem Schlag zerstört“, so Nemestothy. Die Ernteausfälle werden auch in Österreich von Jahr zu Jahr größer.

Um gegen die Klimakrise und für eine sichere Zukunft des ländlichen Raumes zu kämpfen, muss auf saubere Energiegewinnung gesetzt werden – sodass Flächen, die aufgrund der Trockenheit keinen Ertrag mehr bringen, eben nicht mehr brach liegen, sondern Strom erwirtschaften. Es heißt also: statt Erdäpfel eben Energie als Ertrag gewinnen. Das jedoch ganz ohne Beeinträchtigung der Lebensmittelproduktion!

Photovoltaikexperte Dipl. Ing. Hubert Fechner kennt die Antwort auf die umstrittene Diskussion des Flächenkampfes: „Es gibt genügend Flächen in Österreich, die schon von vornherein eine geringe Bonität aufweisen.“ Etwa die Grünflächen nahe Autobahnen oder anderer Verkehrstraßen. Außerdem sei die Diskussion so lange unlogisch, meint Enery-CEO Richard König, solange man etwa Raps anbaut, um das daraus produzierte Rapsöl dann wiederum zur Energieerzeugung zu nutzen. „Hierbei ist der Wirkungsgrad zudem weit geringer, als wenn man auf der gleichen Fläche PV-Anlagen installieren würde“, ergänzt Fechner. Sprich: Photovoltaik nimmt der Landwirtschaft keine Flächen weg. Vielmehr bringt sie unbrauchbare Ackerflächen wieder zum Strahlen.

Blick in die Zukunft

Traum aller Landwirtinnen und Landwirte wäre sicherlich die Möglichkeit der Agrophotovoltaik – eine Kopplung von Agrarwirtschaft und Photovoltaik. Dabei sollen auf einem Feld sowohl Nahrungsmittel als auch Strom produziert werden. Die tatsächliche Umsetzung dieser Kombination ist bis dato aber eher schöne Zukunftsmusik. Aber wagen wir dennoch einen kurzen Ausblick auf das, was da vielleicht einmal möglich sein könnte.

Es gibt Pflanzen, wie zum Beispiel Salate oder auch Kartoffeln, die von der Beschattung profitieren und dabei noch besser gedeihen als auf ihrem herkömmlichen Anbauplatz. Stichwort: Wetterbedingungen. Viele Freiflächenanlagen schützen die Pflanzen unter ihnen vor heftigen Unwettern und Hagel. Die wachsenden Pflanzen könnten sich somit auch in gewittrigen Zeiten in Sicherheit wiegen.

Auch die Haltung von Tieren innerhalb einer Anlage wird derzeit erprobt. So zeigt sich zum Beispiel, dass die Haltung von Schafen und Hühnern bereits sehr gut funktioniert und sie sich ihrem neuen Energieumfeld ganz gut anpassen. Etwas schwieriger wird es mit größeren Vierbeinern, wie zum Beispiel den Ziegen. Deren Liebe zum Klettern erweist sich für die Sonnenmodule als wenig vorteilhaft.

Aktuelle Technologien reichen schon aus

Weil Lebensmittel und Strom vom gleichen Feld zu ernten derzeit also noch keine Rolle spielt, konzentriert man sich aktuell naturgemäß auf die bereits relevanten und verfügbaren Technologien und setzt auf deren Vorteile: Die Errichtung einer PV-Anlage hat zum Beispiel nur eine geringe Auswirkung auf die Umgebung. Es kommt dabei zu keiner relevanten Bodenversiegelung. Und so können sich die Tier- und Pflanzenwelten vor Ort unter dem Schutz der Sonnenmodule prächtig entfalten. Viele in den Gegenden ausgerottete Arten kehren sogar zurück, wie eine aktuelle Studie kürzlich ergeben hat.

Aber kommen wir zurück zum Problem der Energiegewinnung durch die Landwirtschaft. Hier kann man aktuell schon einmal beruhigt festhalten: Es existieren schon heute so viele ertragsschwache Flächen, dass man Österreich mit Sonnenstrom versorgen könnte. Daraus ergibt sich, dass unsere Bäuerinnen und Bauern uns schon in sehr naher Zukunft gleichzeitig mit Lebensmittel und Energie versorgen werden. Und das, ohne die Lebensmittelproduktion auch nur anzutasten.

Sie werden auf diesem Weg also zu Land- und Energiewirt*innen. Und für uns alle zu wahren Klimaheld*innen.

✅ Text: Sandra Rainer
✅ Fotos: Shutterstock
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